Das Muster der Gewalt



Es muss einen Mann gegeben haben in dieser Abteilung des syrischen Geheimdienstes, der beim Verüben von Gewalt geradezu penibel vorging. Seine Opfer peitschte er mit Kabeln aus, wie in vielen staatlichen Verliesen in Damaskus üblich. Dieser Folterknecht jedoch hinterließ Striemen auf den Körpern seiner Opfer, die in präzisen Abständen zueinander lagen, gleichmäßig verteilt vom Hals bis zur Hüfte. Wie ein geometrisches Muster.

Gewalttaten dieser Art sind auf Fotos dokumentiert; 53 275 dieser Bilder wurden aus Syrien herausgeschmuggelt. Ein Militärfotograf mit dem Decknamen „Caesar“ war dort nach zwei Jahren Bürgerkrieg seinem Gewissen gefolgt. Er verließ das Land und wurde zum Whistleblower, spielte seine Bilder westlichen Diplomaten zu. Die Fotos sollen belegen, was die Schergen des Diktators Baschar al-Assad mit den vielen Tausend Oppositionellen tun, die in Polizeiwachen und Militärgefängnissen verschwinden. 6786 Leichen hat Caesar aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert, 6785 Männer und eine Frau. Immer wieder blickt man in abgemagerte, schmerzverzerrte, kreidebleiche Gesichter.